Modul 6: Risiko, Cash und Verlustphasen
Risiko, Cash und Verlustphasen
Schwankungen gehören zum Investieren dazu – trotzdem verunsichern sie viele neue Mitglieder. Dieses Modul zeigt dir, was ein Drawdown ist, warum Gewichtung über das Risiko entscheidet, welche Rolle Cash spielt und wie du in Verlustphasen ruhig und klar bleibst.
Die kurzfristige Erwartung
Enttäuschung entsteht häufig dann, wenn kurzfristige Erwartungen auf einen langfristigen Investmentprozess treffen. Wer erst seit wenigen Wochen dabei ist, kann trotzdem vorübergehend im Minus liegen.
Der BMV ist kein kurzfristiges Gewinnversprechen. Entscheidend ist der fortlaufende Prozess – nicht das Ergebnis der ersten 30 Tage.
Was ein Drawdown ist
Ein Drawdown beschreibt, wie stark eine Position oder ein ganzes Depot zwischenzeitlich von seinem bisherigen Höchststand gefallen ist. Solche Rückgänge gehören bei Aktien und anderen schwankungsreichen Anlagen dazu. Nicht jede Position steht sofort im Plus – das ist normal.
- Ein Minus bedeutet nicht automatisch, dass die ursprüngliche Entscheidung falsch war – es ist aber ein Anlass, These, Rolle und Gewichtung der Position erneut zu prüfen.
- Eine Verlustphase heißt nicht automatisch, dass die Strategie falsch ist.
- Der BMV ist auf den ganzen Zyklus ausgelegt, nicht auf 30-Tage-Gewinne.
Nicht jede Position schwankt gleich
- Beta: breit gestreutes Fundament – deshalb weniger abhängig von einzelnen Unternehmen.
- Core: zentrale Alpha-Ideen, die trotzdem deutlich schwanken können.
- Satellite: spekulativere Beimischungen mit höherem Risiko und stärkeren Schwankungen.
Deshalb wird eine kleine Satellite-Position anders beurteilt als das Beta-Fundament oder eine zentrale Core-Idee. Ein Minus bei einem Satellite ist eingeplant – bei deinem Fundament würdest du es anders gewichten.
Warum Gewichtung das Risiko bestimmt
Gewichtung bedeutet: Wie groß ist eine einzelne Position im Verhältnis zu deinem gesamten Depot? Viele suchen die eine perfekte Aktie – wichtiger ist aber, wie groß jede Position ist. Drei einfache Fragen helfen:
- Wie stark würde ein deutlicher Rückgang dieser Position das gesamte Depot belasten?
- Steckt bereits viel Geld in ähnlichen Unternehmen oder demselben Thema?
- Passt die Größe zur Rolle der Position – Beta, Core oder Satellite?
Risikomanagement beginnt nicht erst beim Verkauf. Es beginnt bereits bei der Größe einer Position.
Cash und deine Optionen
Mit Cash meinen wir hier Kapital, das innerhalb deiner Investmentstruktur vorübergehend nicht investiert ist. Die persönliche Reserve für laufende Ausgaben und unerwartete Kosten (aus Modul 5) bleibt davon getrennt.
- Cash kann das Risiko vorübergehend reduzieren.
- Cash schafft Flexibilität für spätere Entscheidungen.
- Cash verhindert, dass nur aus Handlungsdruck investiert wird – es hält einen Teil des Kapitals verfügbar, wenn sich später neue Chancen ergeben.
Abwarten, Reduzieren, Verkaufen
- Abwarten: Die Position bleibt bestehen, wird aktuell aber nicht vergrößert.
- Reduzieren: Ein Teil wird verkauft, um die Gewichtung oder das Risiko zu senken.
- Verkaufen: Die Position wird geschlossen – etwa, weil sich die These oder die Risikoeinschätzung verändert hat.
Keine dieser Entscheidungen wird allein aufgrund eines kurzfristigen Minus getroffen.
Und was ist ein Stopp?
Ein Stopp ist eine vorab festgelegte Kursmarke, bei deren Erreichen eine Position automatisch oder manuell verkauft wird. Stopps können Verluste begrenzen, werden aber nicht bei jeder Position gleich eingesetzt – und sie ersetzen keine sinnvolle Gewichtung.
Vier Schritte in einer Verlustphase
- Nicht nur auf das Minus schauen Der aktuelle Kurs allein sagt noch nicht, ob die ursprüngliche Idee falsch ist.
- Aktuelle Einordnung prüfen Was steht im neuesten Briefing, im Veränderungslog oder im aktuellen Update?
- Rolle und Gewichtung beachten Ist es Beta, Core oder Satellite – und wie groß ist die Position im Gesamtdepot?
- Nicht automatisch handeln Weder aus Panik verkaufen noch allein wegen des Rückgangs nachkaufen. Zuerst einordnen, dann entscheiden.
Die wichtigsten Punkte
Schwankungen sind normal
Drawdowns gehören dazu. Ein Minus heißt nicht automatisch, dass die Entscheidung falsch war – aber dass du sie prüfst.
Gewichtung bestimmt das Risiko
Die Größe einer Position ist wichtiger als die Suche nach der perfekten Aktie.
Klare Optionen statt Reaktion
Abwarten, reduzieren, verkaufen – nie allein wegen eines kurzfristigen Minus.
Kein 30-Tage-Versprechen
Der BMV begleitet einen Prozess über verschiedene Marktphasen – nicht nur einzelne Wochen.
Der Kerngedanke
Der Wert des BMV liegt nicht darin, nach wenigen Tagen im Plus zu sein.
Er liegt in einem strukturierten Investmentprozess, an dem du dich langfristig orientieren kannst.
Nächstes Modul
Modul 7
Eine BMV-Idee richtig lesen
Wie du eine Investmentthese verstehst und die Rolle einer Idee im Portfolio erkennst.
Fragen zum Modul? Schreib uns an info@balthasar-becker.com